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Asien Kurier  1/2015 vom 1. Januar 2015
Korea

Koreanische Investitionen in Südostasien

Von Vietnam über Kambodscha, Laos und Thailand nach Myanmar

Von Dr. Alexander Toepel in Frankfurt

Im Juli 2014 erhielt der südkoreanische Bildschirmhersteller Samsung Display von den vietnamesischen Behörden die Genehmigung, eine Milliarde US$ in den Bau einer Fabrik zu investieren. 50 Kilometer nordöstlich von Hanoi sollen in Zukunft 8.000 Arbeiter jährlich 48 Millionen hochauflösende Bildschirme für Smartphones und Tablets herstellen.

Samsung beabsichtigt mehr als eine Milliarde US$ in ein neues Werk für Displays in der nordvietnamesischen Provinz Bac Ninh zu investieren.
Foto: Tuoi Tre

Dieses Projekt ist das jüngste einer Reihe von Großinvestitionen der Südkoreaner in Vietnam: 2013 war Baubeginn einer Anlage im Wert von 2 Milliarden US$, ebenfalls im nördlichen Landesteil. Seit 2009 produziert der Konzern in der Provinz Bac Ninh Handys schrieb das Wall Street Journal. Das Engagement von Samsung und anderen Chaebols beschränkt sich aber nicht nur auf Vietnam: Auch in Kambodscha, Laos, Thailand und Myanmar sind koreanische Unternehmen seit längerem aktiv.

Vietnam
Seit der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern in 1992 ist die südkoreanische Wirtschaftstätigkeit in Vietnam eng mit den als Doi Moi bekannten Strukturreformen verknüpft. 2001 und 2009 wurden Abkommen zur Besiegelung einer strategischen Partnerschaft unterzeichnet.

Im Jahr 2012 belief sich das südkoreanische Investitionsvolumen in Vietnam auf insgesamt 24,8 Milliarden US$, dazu kam staatliche Entwicklungshilfe in einem Gesamtumfang von 1,6 Milliarden US$. Neben Samsung sind weitere Mischkonzerne wie Hyundai, LG, der Stahlhersteller POSCO und die Lotte-Gruppe seit den späten 1990er Jahren in Vietnam aktiv.

Seit 2006 intensivierte sich die koreanische Investitionstätigkeit in Vietnam. Grund hierfür sind neben dem Beitritt Vietnams zur WTO (Welthandelsorganisation) die Bemühungen der vietnamesischen Regierung zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren - ein Prozess, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

2007 war Südkorea mit Neuinvestitionen im Wert von 4,58 Milliarden US$ größter Auslandsinvestor. Während noch 2006 die Bereiche Textil und Bergbau den Großteil des investierten Gesamtkapitals auf sich vereinigten, flossen die Investitionsgelder ab 2007 hauptsächlich in den Bereich Stahlerzeugung, Elektronik und Automotive (2007: 55% der Neuinvestitionen); an zweiter Stelle stand der Bausektor (2007: 30% der Neuinvestitionen). Im Mai 2012 hielt Südkorea mit 3020 Projekten noch immer den ersten Platz, was die Zahl der Projekte angeht, stand aber in Bezug auf das Investitionsvolumen zwischenzeitlich auf dem dritten Platz hinter Japan und Singapur. Diese Situation hat sich 2014 geändert, und mittlerweile ist Südkorea mit aktuellen 3,6 Milliarden US$ Neuinvestitionen zwischen Januar und Oktober 2014 wieder die Nummer Eins der ausländischen Investoren in Vietnam (Quelle: staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua).

Verstärkt wird dieser Trend durch die Abwanderung koreanischer Unternehmen aus der VR China, wobei neben Vietnam auch Myanmar und Kambodscha attraktive Alternativstandorte bieten. Ende Oktober 2014 beliefen sich die koreanischen Investitionen in Vietnam auf insgesamt 33,4 Milliarden US$, die auf 4.020 Projekte verteilt 23% der Investitionsprojekte und 13,7% der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ausmachten. Im Hinblick auf investiertes Kapital stehen inzwischen Schwerindustrie, Energieerzeugung, Chemie, Petrochemie und Elektronik im Vordergrund, gefolgt vom Bausektor.

Ein Wermutstropfen aus vietnamesischer Sicht ist die Aversion der koreanischen Investoren gegen Joint Ventures und die Tendenz, vietnamesische Partnerunternehmen aufzukaufen. Spillover-Effekte in der Produktion werden außerdem durch die Verwendung von Fertigteilen verhindert, die von den koreanischen Herstellern aus Drittländern importiert werden .

Kambodscha
Mit durchschnittlich 7,7% Wachstum in den vergangenen 20 Jahren ist Kambodscha gegenwärtig eines der am schnellsten wachsenden Länder Südostasiens. Die Wirtschaft des Landes ist nach wie vor stark von der Landwirtschaft geprägt (2013: 32% des BIP, Gesamt-BIP: 15,25 Mrd. US$), doch spielen Industrie und Dienstleistungssektor (Tourismus) eine immer bedeutendere Rolle.

Koreanische Firmen sind seit 1996 in Kambodscha investiert, wobei das Gesamtvolumen der koreanischen Investitionen im September 2014 4,4 Milliarden US$ in 758 Projekten betrug. Dazu kommen bis 2013 570 Millionen US$ an Entwicklungshilfe, sowie ein staatliches Darlehen von 220 Millionen US$. Letztere Mittel sind hauptsächlich für die Entwicklung der Infrastruktur bestimmt.

Koreanische Investition "Gold Tower 42" in Phnom Pehn.
Foto: Jaqueline Boolens / Agentur Aton

Die koreanischen Neuinvestitionen in Kambodscha beliefen sich 2012 auf 287 Millionen US$, was 12,5% der gesamten FDIs ausmacht und die Südkoreaner auf Platz 1 der ausländischen Investoren bringt. Diese Position wird in Zukunft vermutlich noch ausgebaut werden, da die kambodschanische Regierung gerade koreanische Investoren verstärkt in ihr Land holen will.

Ein Großteil der Investitionen ist bisher in die Textil- und Bauindustrie geflossen. 2009 waren 49 der damals insgesamt 71 Projekte im Textilbereich angesiedelt, umfassten aber nur 102 Millionen US$ des damaligen Gesamtvolumens von 1,4 Milliarden US$.Trotzdem ist Südkorea nach wie vor einer der dominierenden Akteure in diesem Wirtschaftszweig. Der Großteil der Investitionen ist bis heute im Bausektor gebunden, u.a. in Großprojekten wie Camko City, Booyoung Town oder der Errichtung des Gold Tower 42 (alle in Phnom Penh). Daneben haben koreanische Unternehmen versucht, im Bergbau- und Agrarsektor Fuß zu fassen, bislang allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Laos
Ähnlich wie Kambodscha konnte auch Laos in den vergangenen Jahren exorbitante Wachstumsraten verzeichnen. Das durchschnittliche Wachstum betrug in den letzten 20 Jahren 7,07%. Koreanische Unternehmen sind seit 1989 in Laos aktiv. Das Gesamtvolumen der Investitionen belief sich im September 2014 auf 935,6 Millionen US$, verteilt auf insgesamt 104 Projekte. Damit steht Korea an vierter Stelle der ausländischen Investoren, hinter Thailand, VR China und Vietnam.

Während noch 2006 der Großteil der Investitionen in die Bauindustrie floss, ist die Mehrzahl der koreanischen Projekte inzwischen in den Bereichen Wasserkraft und Bergbau angesiedelt. In der Hauptstadt Vientiane sind gegenwärtig 18 koreanische Firmen mit Niederlassungen vertreten, eine Zahl, die sich noch erhöhen dürfte, da auch die laotische Regierung aktiv um koreanische Investitionen wirbt. Profitieren konnten von dieser Entwicklung bislang vor allem die Autohersteller Hyundai und Kia, die in Laos durch die Kolao Holdings vertreten sind, dem größten nichtstaatlichen Unternehmen in Laos mit einem Marktanteil von 37%. Neuestes Projekt ist der Bau eines Krankenhauses in Vientiane, in den die koreanische La-Ko Holding 81 Millionen US$ investieren will.

Thailand
In Thailand steht Südkorea auf einem vergleichsweise nachgeordneten Platz unter den ausländischen Investoren. Grund hierfür ist nicht zuletzt, dass Japan, mit dem das Königreich traditionell gute Beziehungen unterhält, seit Jahren den Löwenanteil der ausländischen Direktinvestitionen für sich beansprucht.

Koreanische Investitionen in Thailand gehen bis in das Jahr 1986 zurück, fanden aber zuerst nur in sehr beschränktem Umfang statt (1986: 900.000 US$ in 2 Projekten). In der ersten Hälfte von 2012 investierten koreanische Unternehmen 34 Millionen US$ in 13 neuen Projekten. Die japanischen Investitionen beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 5,7 Milliarden US$, die auf 389 Projekte verteilt beinahe zwei Drittel der gesamten Direktinvestitionen ausmachten.

Das Gesamtvolumen der koreanischen Investitionen betrug im September 2014 2,79 Milliarden US$ in 796 Projekten, wovon die Bereiche Elektronik und Infrastruktur zusammen mehr als die Hälfte ausmachten. Im Vergleich dazu wuchsen die südkoreanischen Neuinvestitionen in der ersten Jahreshälfte 2014 auf 420 Millionen US$, was einen Anstieg von 950% gegenüber dem Vorjahr darstellt.

Bei einem Gipfeltreffen zwischen der koreanischen Präsidentin Park Geun-hye und dem thailändischen "Premier" der Militärregierung, Prayut Chan-o-cha, am 13.11.2014 in Myanmar wurde ein weiterer Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern vereinbart. Akteure in Thailand sind neben Samsung, LG und Hyundai Heavy Industries auch kleinere Unternehmen wie der Automobilzulieferer Moca Mold Co. oder die im Solarbereich tätige DAS Tech Co.

Myanmar
Südkorea unterhält seit 1975 diplomatische Beziehungen zu Myanmar, die allerdings in den 1980er Jahren auf Eis gelegt wurden. Erst seit Beginn des Reformprozesses in Myanmar in 2011 wurden die Beziehungen wieder enger und haben bis September 2014 zu 161 Investitionsprojekten mit einem Gesamtumfang von 4,76 Milliarden US$ geführt.

Damit kommt Korea an vierter Stelle der ausländischen Investoren in Myanmar zu stehen. Mehr als die Hälfte dieses Betrages ist dabei in die Textilindustrie geflossen. Die südkoreanische Regierung hat außerdem ein Darlehen von 500 Millionen US$ zugesagt, mit Hilfe dessen bis 2017 eine Reihe von Großprojekten angeschoben werden soll:
- Erschließung der Gasvorkommen an der Küste des Bundesstaates Rakhaing durch Daewoo International (Gasförderung seit Juni 2013)
- Investitionen des Stahlerzeugers POSCO in der Bauindustrie
- Kooperation der koreanischen Hanbaek ITC mit der Unternehmensgruppe Long Luck in den Bereichen Produktion und Energie; Infrastrukturprojekte in den Bereichen Telekommunikation, Straßenbau, Wiederaufforstung und Wasserwirtschaft
- Eröffnung eines Industrieparks in Dala bei Yangon

Dienstleister wie die Woori Bank, Hana Bank und die Großkanzlei Yulchon sind ebenfalls seit 2013 in Myanmar vertreten. Ein Fehlschlag waren dagegen die Pläne zum Bau des Hanthawaddy International Airport: Nachdem zunächst ein koreanisches Konsortium bestehend aus u.a. Lotte Engineering & Construction, POSCO und Kumho den Zuschlag erhalten hatte, wurde das Projekt nach Unstimmigkeiten in Bezug auf Größe und Finanzierung im Februar 2014 neu ausgeschrieben und fiel im Oktober diesen Jahres an einen Verband singapurischer und japanischer Firmen.

Fazit
Obwohl sich die koreanischen Auslandsinvestitionen zwischen 2004 und 2011 von 5,6 Milliarden US$ auf über 20 Milliarden US$ vervierfacht haben und bis 2020 ein Anstieg auf 38 Milliarden US$ erwartet wird, sind Operationen im Ausland für viele koreanische Unternehmen immer noch Neuland. Nach einer Studie von Ernst & Young aus 2012 sind nur 41% der befragten koreanischen Firmen im Ausland investiert, 8% weniger als der Durchschnitt in Ost- und Südostasien. Dieses Ergebnis wiegt besonders schwer, da die sogenannten CLMV-Länder (Cambodia, Laos, Myanmar, Vietnam) zu den Hauptdestinationen der koreanischen Auslandsinvestitionen gehören. Da die koreanischen Unternehmen trotz höheren wirtschaftlichen Entwicklungsstandes nicht präsenter auf den internationalen Märkten sind als andere Unternehmen aus der Region, fallen auch die im Ausland erwirtschafteten Gewinne entsprechend mager aus. Es ist daher anzunehmen, dass koreanische Unternehmen ihre Präsenz in der Region in Zukunft noch ausbauen werden.

Kontakt

Dr. Alexander Toepel
atoepel@gmx.net





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